Geschichte der Gebirgsschützenkompanie Endorf

1322

Ortlieb von Aschaw auf Hirnsberg (Hauptmannschaft Endorf) geboren 1264, hat mit seinen Untertanen 1322 in der letzten Ritterschlacht bei Mühldorf auf der Seite des Salzburger Erzbischofs für den Habsburger Friedrich den Schönen gekämpft. Dies ist der erste urkundlich belegte Einsatz Chiemgauer und Endorfer Untertanen.

1504

bestanden die Landaufgebote des Chiemgaues eine weitere Bewährungsprobe. Hanns von Pinzenau, Schlossherr des im Markt Bad Endorf gelegenen Schlosses Hartmannsberg wurde mit seinen Gefolgsleuten enthauptet, weil sie mit 27 Schützen die Bayerische Festung Kufstein sieben Wochen gegen das viel tausend Mann starke Heer von Kaiser Maximilian I verteidigten.

1596

bei Einführung der Landesmusterung mussten unsere Schützen zur Schießübung nach Wasserburg.

1602

waren dann 90 Mann Landfahnen eingekleidet im Gericht Aschau, Hofmark Söllhuben und Wildenwart zu dem wir gehörten.

1607

gab es die erste Schießordnung in unserer Herrschaft. Unsere Schützen mussten im Jahr acht mal an Sonntagen nachdem sie die hl. Messe besucht hatten an Schießübungen teilnehmen.

1633

im Dreißigjährigen Krieg waren die Schützen und Bauern unter der Führung des Abtes von Seeon am Inn postiert und sperrten die Übergänge. Genau so 1646.

1675

Einsatz gegen einfallende Tiroler.

1688

Bereitschaft der Landfahnen an der Grenze.

1703

Postierung bei Hainpach im Priental zur Grenzwacht.

1704

wurden die Endorfer Christian Schauer (Bauer auf dem Gartenschmidgut und Simon Pierer aus Hofham (Endorf) bei der Verteidigung von Hohenaschau getötet.

1705

kam es dann am 23. November zur Erhebung von 3000 Schützen und Bauern gegen die kaiserliche österreichische Besatzung am Magdalenenberg bei Wasserburg. Viele kamen um.

1743 – 1744

nahmen die Landfahnen an der Befreiung von Rosenheim und Reichenhall teil.

1745

kam dann der Friede in`s Land.

1789

beschwerten sich die Nachbarorte darüber, dass die Endorfer Schützen bei aufziehenden Gewittern so heftig schossen, dass die Hagelgewitter über die Nachbarorte losbreche.

1800

zeigen Motivtafeln in Gattern und Antwort, dass die Bürger  beim Franzoseneinfall in Todesgefahr waren und die Schützen oft genug aufpassen mussten.

1809

Einsatz der Gebirgsschützen der Herrschaft Wildenwart bei Sachrang.

1810

mussten zwei Schützen aus Antwort (Hauptmannschaft Endorf) 1 Gulden 45 Kreuzer Strafgebühr zahlen, wegen Nichtteilnahme am Gebirgsschützenschießen.

1848

am 3. September in Mauerkirchen und am 8. Oktober in Endorf waren bei zwei Gebirgsschützenvortelschießen 28 und 33 Schützen vertreten.

1851

nach der Trennung von Mauerkirchen von der Hauptmannschaft Endorf sollte eine eigene GSK in Mauerkirchen aufgestellt werden mit 80 Mann bzw. bei einem 2. Vorschlag mit 114 Mann. Es kam aber nicht dazu.

1851 bis 1853

die Gebirgsschützenvortelschießen wurden fortgesetzt wie die bei unserer Kompanie befindlichen Bücher aufweisen.

1869

offizielle Auflösung der Gebirgsschützenkompanien durch den König. Diese bestehen aber teilweise freiwillig weiter. Bei einem Vortrag in Bad Reichenhall sagte der Bürgermeister und Heimatforscher von Miesbach Gerd Maier, dass sich die Endorfer Kompanie im Chiemgau als letzte aufgelöst hat.

1919  wurde Endorf Fahnenbezirk der Einwohnerwehr. Viele Teilnehmer zogen am 21. September mit der weißblauen Armbinde zur Schießstatt in Endorf und zur Fahnenweihe. Diese Fahne wird heute von uns bei besonderen Anlässen mitgeführt.

1921

Wurde diese Fahne erneuert.

1933 – 1945

wurden im Dritten Reich auch die Schützenkompanien verboten. Die Fahne wurde aber nicht wie gefordert abgeliefert, sondern vom Vater des späteren Oberleutnants Franz Feil unter dem Zimmerboden versteckt.

1980

Im Juni 1980 hatte Hans Doll Vertreter aus den Ortschaften der Marktgemeinde Endorf i. OB. sowie Vorstandsmitglieder der Traditionsvereine im Gasthaus „Weißbräu“ um sich versammelt. Für sein Vorhaben, die Wiedergründung einer Endorfer Gebirgsschützen- kompanie, hatte er sich der Unterstützung durch Herrn Ersten Bürgermeister Diplom-Ingenieur Lorenz Linseis versichert. Die vom Bund Bayerischer Gebirgsschützen geforderten „historischen“ Nachweise als Voraussetzung für eine Wiedergründung hatte -Hans Doll in jahrelanger Kleinarbeit erbracht. Die Ergebnisse trug er aus Kirchmatrikeln und Archiven zusammen. In einer Reihe von Aufklärungsversammlungen in den Ortschaften der Marktgemeinde Endorf erkundeten Hans Doll und seine Freunde das Interesse an einer Wiedergründung des Traditionsbundes. In der für die Bayerischen Gebirgsschützen traditionellen Form wurde die Wiedergründung der Endorfer Kompanie am 12. September 1980 im festlich geschmückten Saal des Gasthauses „Münchner Kindl“ und im Beisein von Landeshauptmann Andreas Stadler aus Gmund sowie zahlreicher Gastkompanieabordnungen vollzogen. Nahezu hundert Mitglieder erklärten ihren Beitritt.

Zu Mitgliedern der Hauptmannschaft wurden gewählt:

  • Doll Hans, Endorf                            Hauptmann
  • Linhuber Sebastian, Antwort         Oberleutnant
  • Miedl Sepp, Endorf                          Leutnant-Zahlmeister
  • Bomba Hubert, Endorf                    Leutnant-Kompanieschreiber

 In den Kompanieausschuß wurden gewählt:

Harth Sepp, Endorf                               Fähnrich

Kriechbaum Franz, Antwort                 Oberjäger

Mayer Schorsch, Stephanskirchen   Oberjäger

SchIaipfer Sepp, Stötten                      Oberjäger

Schmid Siegfried, Kreuzbichl             Oberjäger

Eder Hans, Jolling                                Jäger

Köhler Willibald, Rachental                Jäger

Rammer Wolfgang, Endorf                 Jäger

Madl Wolfgang, Endorf                         Kassenprüfer

Stockbauer Walter, Endorf                   Kassenprüfer

 Darüber hinaus gehörten dem Kompanieausschuß an:

Erster Bürgermeister Lorenz Linseis, Endorf

Zweiter Bürgermeister Franz Feil, Endorf

In Zusammenarbeit mit Bezirksheimatpfleger Paul Ernst Rattelmüller vom Bezirk Oberbayern wurde die Gebirgsschützenmontur in Anlehnung an die im Endorfer Raum nachgewiesene ländliche Tracht des 18. Jahrhunderts in Farbgebung und Stil bestimmt und von der Kompanie gutgeheißen. Als Vorlagen dienten Votivtafeln aus der Antworter Marienkirche und eine Abbildung auf einem Kanzelblatt der Hirnsberger Kirche. Danach tragen die Endorfer Gebirgsschützen zu einem halblangen braunen Rock mit Silberknöpfen ein weißes Leinenhemd mit schwarzem Mascherl, rote Leiberl, schwarze Lederbundhosen, blaue Strümpfe und schwarze Haferlschuhe. Als Kompanieabzeichen ziert das Bildnis der Muttergottes von Antwort die weißblaue Armbinde. Den weitkrempigen schwarzen Schützenhut schmückt die weißblaue Bayernkokarde und ein doppelter Spielhahnstoß. Die Endorfer Gebrigsschützen tragen als Gewehr den Karabiner 98k. Erstmals rückte die Kompanie im Mai 1981 zum Patronatsfest nach Tölz in Montur aus. Gemäß dem Anliegen der Gebirgsschützen, bayerisches Brauchtum zu bewahren wurde der „Antworter Kirta“ am Mariä-Himmelfahrts-Tag neu belebt. Die Kompanie nahm an kirchlichen Festen, Brauchtumsveranstaltungen und Gebirgsschützenfesten teil.

1982

wurde vom 15. bis 25. Juli mit einem großen Fest die Wiedergründung gefeiert. Am Festsonntag dem 18. Juli säumten 30 000 Zuschauer die Straßen von Bad Endorf als 127 Schützenkompanien aus Bayern, Tirol und Südtirol mit 3500 Schützen zur Festmesse zogen. 800 Tiroler Schützen waren bereits am Vortag zum Festabend gekommen und wurden von den Bürgern privat und kostenlos untergebracht.

1983

am 23. Oktober Verschwisterung und gemeinsame Wallfahrt mit der Schützenkompanie „Andreas Hofer“ Meran. Nach einigen Treffen der Hauptmannschaften aus Meran und Bad Endorf, kam es im Südtiroler Wallfahrtsort Maria Weisenstein zum Partnerschaftstreffen. Eine von den Endorfern mitgebrachte Votivbild wurde geweiht und im Kircheneingang aufgehängt. Weitere schöne Treffen der beiden Kompanien folgten.

1984 bis 2002

Ausrückungen der Kompanie wie zum Beispiel als Begleitung der Äbtissin vom Chiemsee, als einzige Schützenkompanie beim größten Umzug seit 350 Jahren in Salzburg, angeführt vom Primas von Irland Kardinal O’Fiaich, Kardinal König von Wien und Erzbischof Berg von Salzburg, mit den Reliquien des Hl. Virgil und Rupertus durch Salzburg zum Dom mit anschließender Feier in der Residenz, oder Besuch und Ehrensalut beim Bundeskanzler und viele weitere große Erlebnisse können hier nicht niedergeschrieben werden, weil sie den Rahmen dieses Berichtes sprengen würden.

1985

kam es zu einer Partnerschaft mit der Nordtiroler Schützenkompanie Vomp. Diese Partnerschaft kam aus einer Freundschaft zwischen dem damaligen Obmann Max Häusler aus Vomp und dem Endorfer Hauptmann Hans Doll zustande. Häufige Treffen in Vomp, in Bad Endorf und auf der Dalsenalm folgten. Aus dieser Schützenpartnerschaft ist inzwischen auf Initiative der beiden Vorgenannten eine Gemeindepartnerschaft zwischen der Gemeinde Vomp in Tirol und dem Markt Bad Endorf entstanden. Viele Vereine der beiden Gemeinden haben mittlerweile eine rege Freundschaft entwickelt.

1987

Papstaudienz bei Johannes Paul II.

1993

am 18. Juli besuchte der Kurienkardinal Josef Ratzinger (später Papst Benedikt XVI) das Irmengardfest auf der Fraueninsel

2006

vom 20. bis 29. Juli fanden die von der Gebirgsschützenkompanie Endorf/Chiemgau ausgerichteten Bad Endorfer Festwochen mit täglichen Veranstaltungen im großen Festzelt statt. Bereits am Festsamstag waren 950 Schützen aus Nord-, Ost-, Süd- und Welschtirol angereist. Am Festsonntag 23. Juli beim Bataillonsfest (Gaufest) der bayerischen Gebirgsschützen des Inn- und Chiemgau und 25. Wiedergründungsfest der Gebirgsschützenkompanie Endorf/Chiemgau, nahmen 100 Kompanien und Vereine aus Gesamttirol und Bayern am großen Festzug durch Bad Endorf teil,

2008

am 19. April trafen sich die Schützenkompanie Meran (entstanden durch Zusammenschluß der Schützenkompanie Meran Stadt mit der Schützenkompanie „Andreas Hofer“ Meran) und die Gebirgsschützenkompanie Endorf/Chiemgau in Meran. Gegenseitige Versicherung des weiterbestehens der Partnerschaft.

Die jährlich wiederkehrenden Veranstaltungen oder Feiern die von der Gebirgsschützenkompanie Endorf/Chiemgau durchgeführt werden: 

Alpenländiche Maiandacht

am letzten Freitag im Mai in der Kirche Thalkirchen Markt Bad Endorf.

Fronleichnam

Begleitung des Allerheiligsten in der Kuratiekirche Stephanskirchen und der Pfarrei Bad Endorf.

Irmengardfest

am Sonntag der dem 15. Juli am nächsten ist holt die Kompanie als Schutzkompanie des Klosters auf Frauenwörth den Zelebranten (Bischof oder Kardinal) mit dem Schiff in Gstadt ab und begleitet ihn auf die Fraueninsel. Dort geleitet die Kompanie den Konvent der Benediktinerinnen und die geistlichen Würdenträger zum Münster zur Festmesse der Seligen Irmengard, der Patronin des Chiemgaues und  anschließend über die Insel wieder zurück zum Kloster. Nach einer Ansprache des Hauptmannes wird ein zweifacher Salut geschossen.

Antworter Kirta (Kirchweih)

am 15. August bei der die Kompanie ein großes Zelt aufstellt und die weltliche Feier ausrichtet.

Bayrisch-Trolische Wallfahrt

zur Ölbergkapelle in Sachrang mit den Kompanien Niederndorf (Tirol), Ebbs (Tirol), Schwoich (Tirol), Lana (Süstirol), Aschau (Bayern) und Endorf/Chiemgau (Bayern). Dazu kommen noch weitere Kompanien die unregelmäßig teilnehmen am 3. Sonntag im September. (Nur Teilnahme, Organisation liegt beim Müllner Peter Verein).

Totensonntag

in Antwort und Bad Endorf im November.

Totengedenken

der im Jahr 1705 am Magdalenenberg gefallenen Schützen. Zusammen mit den Kompanien Hofmark Söllhuben und Rosenheim gestaltet die Kompanie Endorf in Wasserburg am Freitag der dem 23. November am nächsten ist, am Abend eine würdige Gedenkfeier.

Adventsingen

mit mehreren Musik- und Gesangsgruppen in der Kuratiekirche Stephanskirchen am 4. Adventsonntag.

Außerdem noch Ausrückungen in Bayern und Tirol nördlich und südlich des Brenners bei verschiedenen Gegebenheiten.